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02.05.2017

Wolfgang Schorlau

Die schützende Hand

Immer dann, wenn in den Kriminalromanen Wolfgang Schorlaus der Privatermittler Georg Dengler  zum Einsatz kommt, geht es um ein brisantes Thema des aktuellen Zeitgeschehens.


Vor dem Hintergrund der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds erhält Dengler einen anonymen Auftrag. Er soll klären, wie die NSU-Mörder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4.11.2011 in Eisenach-Stregda zu Tode kamen. Offiziell begehen sie in einem Wohnmobil, in dem sie sich nach einem Banküberfall verstecken, Selbstmord. In den Trümmern des ausgebrannten Wohnmobils entdeckt die Polizei außerdem Schusswaffen, die belegen, dass der NSU auch für den Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn verantwortlich ist.
Aber die Geschichte, die Wolfgang Schorlau nun erzählt, weicht von der von den  Behörden vertretenen Version und von dem, was in Zeitungen zu lesen ist, erheblich ab. Sein Privatermittler Dengler greift zahlreiche Ungereimtheiten auf, die bei den Ermittlungen zu dem Tod der NSU-Täter aufgetreten sind und stellt so das Versagen der Ermittlungsbehörden bloß. Gibt es eine Hand, die die Mörder schützt? Auch die äußerst zweifelhafte Rolle des Verfassungsschutzes in Thüringen wird erschreckend deutlich beschrieben. Da viele Originalquellen, wie Auszüge aus Protokollen, Gutachten oder Gerichtsakten in den fiktiven Text eingearbeitet sind, wird der sorgfältig recherchierte Roman beklemmend real.


So ist das Buch nicht nur ein spannender Krimi, sondern es zwingt den Leser zur  Auseinandersetzung mit den unerhörten Vorgängen der bis heute noch nicht abgeschlossenen NSU-Ermittlungen, und das auf eine wirklich lesbare und verständliche Art.

Sehr empfehlenswert und jetzt als Taschenbuch erhältlich.


(Cornelie Steidel)


 

Kiepenheuer & Witsch, 9,99 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-462-04931-2

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13.02.2017

Ida Simons

Vor Mitternacht

“Vor Mitternacht” spielt in den 1920iger Jahren im niederländischen  Den Haag und dem belgischen Antwerpen und berichtet vom turbulenten Leben zweier jüdischer  Familien. Erzählt wird aus der Perspektive der zwölfjährigen Gittel. Ida Simons schildert mit feinem Humor die berührende Geschichte eines jüdischen  Mädchens, angereichert mit zahlreichen Anekdoten, die sich um skurrile Verwandte und Freunde der Familie ranken.


Immer, wenn es Streit im Elternhaus gibt, reist die Mutter zu ihrer Familie nach Antwerpen und nimmt die Tochter mit. Dort lernt Gittel bei einem Besuch in der Synagoge die um einige Jahre ältere Lucie kennen und freundet sich mit ihr an. Fortan ist sie ein häufiger Gast im Hause ihrer Freundin, auch darf sie auf dem Flügel der feinen, ganz anderen Familie spielen. Doch ihre Freundschaft zur geliebten Lucie wird auf eine harte Probe gestellt und konfrontiert Gittel mit der Frage, wem kann ich auf dieser Welt vertrauen?


Die Autorin Ida Simons wurde  1911 in Antwerpen geboren und war eine gefeierte Konzertpianistin. 1943 wurde Ida Simons mit ihrer Familie deportiert und kam nach Theresienstadt, sie überlebte und kam 1945 frei. Nach dem Krieg musste sie ihre Karriere als Pianistin aufgeben. Zurück in Scheveningen begann sie zu schreiben.


„Vor Mitternacht“ wurde erstmals 1959 in den Niederlanden veröffentlicht und war schon kurz nach Erscheinen ein Bestseller. Lange vergessen verdient das Buch neu entdeckt und gelesen zu werden.

(Cornelie Steidel)

 

Luchterhand Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-630-87507-1

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