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Katharina Blencke-Dörr

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14.08.2017

Martin Osterberg

Das kalte Haus

„Ich bin ein Arschloch. Ich weiß das aus allererster Hand. Mein Vater hat es mir gesagt. Der soll ruhig wissen, hat er zu seiner Frau, meiner Mutter gesagt, dass er ein Arschloch ist. Er hat auf meiner Couch gesessen, in meinem Wohnzimmer, neben meiner Frau. Er hat mich angeschaut, als hätte er bloß festgestellt, dass das Wetter auch schon mal besser war. Er hat nicht gelächelt, er hat sich nicht entschuldigt, er hat nichts weiter gesagt. Ich habe auch nichts gesagt. Ich habe gedacht: Ja, du auch.“
Mit diesem Paukenschlag, sozusagen einem Hieb in das Gesicht des Lesers, beginnt Martin Osterbergs beeindruckender, bedrückender Bericht über seine „unglückliche Kindheit in einer heilen Familie“ – so der Untertitel des unter Pseudonym veröffentlichten Buches.


Von außen betrachtet ist diese Familie tatsächlich das, was man eine bürgerliche, stabile, eine typische bundesdeutsche Durchschnittsfamilie nennt, aber hinter den sorgfältig gehüteten Kulissen spielt sich eine Tragödie ab, die den Autor für sein Leben prägen und permanent bedrängen wird: Der autoritäre, herrschsüchtige, materialistische, leistungsorientierte Vater und die passive, überforderte und engstirnige Mutter sorgen für ein kaltes, klaustrophobisches Klima und eine permanent bedrückende, von emotionaler Distanz und Desinteresse geprägte  Atmosphäre, unter der der Autor und sein jüngerer Bruder zu leiden haben. Am Beispiel zahlreicher Begebenheiten aus Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter zeichnet Osterberg ein anschauliches Bild dieser Zustände, die für die von der traumatisierten Kriegskindergeneration gegründeten Familien sicher nicht untypisch sind. Erst als er selbst Liebe erfährt und wahrhaft zu lieben lernt, löst sich ein Teil der negativen Spannung auf. Und es gelingt ihm, gemeinsam mit seiner Frau für die beiden Töchter ein so ganz anderes Familienleben aufzubauen…


Dass man einer belastenden Kindheit und den negativen Prägungen durch das Elternhaus nur sehr schwer entkommen kann, verdeutlicht beispielhaft dieses für Väter, Mütter, Söhne und Töchter  lesenswerte Buch.

(Katharina Blencke-Dörr)

 

Piper Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-492-05789-9

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06.06.2017

Christoph Hein

Trutz

Berlin, 20er Jahre: Der angehende Schriftsteller Rainer Trutz kommt aus der Provinz in die brodelnde Metropole, um seine Träume von einer freien Künstlerexistenz zu verwirklichen. Tatsächlich gelingen ihm schon bald erste Erfolge als Romanautor und parteipolitisch unabhängiger linker Kulturjournalist, aber die Verfolgungsmaßnahmen des nationalsozialistischen Regimes zwingen ihn und seine Frau ins Moskauer Exil, wo sie schon bald die Repressionen des Stalinismus zu spüren bekommen: Beide sind gezwungen, aus politischen Gründen unter bedrückenden und physisch schwierigen Bedingungen ihren kargen Lebensunterhalt zu verdienen, statt ihrer Qualifikation entsprechend zu arbeiten.


Die Freundschaft mit dem Sprachwissenschaftler Waldemar Gejm und seiner Familie bedeutet jedoch Freude und Sicherheit trotz aller Sorgen und Bedrängnisse. Gejm forscht zur Mnemonik, der Kunst des Erinnerns, die Methoden und Übungen entwickelt, um die Gedächtnisleistung systematisch zu verbessern. Ihr Ziel ist es, alle Gedächtnisinhalte sicher und zeitlich unbegrenzt speichern zu können. Die beiden eng befreundeten Söhne der Familien, Maykl und Rem, beginnen schon im Kleinkindalter mit den Trainingseinheiten und werden zu Gejms Meisterschülern.


Doch während des Zweiten Weltkriegs wird auch diese relativ stabile Lebenssituation unter schwierigen Bedingungen auf tragische Weise zunichte gemacht. Und die beiden Freunde Rem und Maykl, die in der DDR und in der UdSSR sehr unterschiedliche berufliche und persönliche Erfahrungen machen, sollen sich erst Jahrzehnte später wiedersehen…


Der große Erzähler Christoph Hein hat einen beeindruckenden, berührenden und zudem außerordentlich informativen Roman über das Schicksal zweier  Familien in einem von Ideologien und Gewaltherrschaft bestimmten Jahrhundert geschrieben.

(Katharina Blencke-Dörr)

 

 

 

Suhrkamp Verlag, 25,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-518-42585-5

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20.03.2017

Schimmang, Jochen

Altes Zollhaus, Staatsgrenze West

Gregor Korff hat sich gleich in mehrfacher Hinsicht zur Ruhe gesetzt: Nach dem Ende seines Berufslebens  finanziell unabhängig durch einen zurückliegenden Bestseller-Erfolg bewohnt er ein abgelegenes renoviertes Zollhaus an der deutsch-niederländischen Grenze. Der einzige echte menschliche Kontakt des misanthropisch en Einzelgängers besteht zu einem pensionierten Zöllner. Meist bestimmen Ereignisse und Begegnungen aus seiner bewegten Vergangenheit seine Gedankenwelten.

Doch dann gerät er nach und nach wieder unter die unterschiedlichsten Menschen: Er schließt Bekanntschaft mit einem ehemaligen Spion, der auf der holländischen Seite der Grenze lebt und ein besonderes Projekt verfolgt. Er erhält über Nacht Besuch von zwei Kindern auf der Flucht, die ihm bei  ihrem heimlichen Aufbruch am Morgen ein ganz besonderes Geschenk hinterlassen. Und er lernt über seine Leidenschaft für Filme ein junges Paar kennen, mit dem ihn unerwartet viel verbindet. Schließlich besucht ihn noch ein Freund aus alten Tagen. Und es stellt sich heraus, dass „der alte Spinner vom Zollhaus“, der zwischenzeitlich nur noch in seinen lebhaften und überaus aktiven Träumen wirklich lebendig zu sein schien, zwischen all diesen so verschiedenen Menschen regelrecht auflebt und in eine wohltuende, heilsame Bewegung gerät…

Edition Nautilus, 19,90 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-96054-035-9

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30.01.2017

Michael Krüger

Das Irrenhaus

„Zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich mich mit Hingabe langweilen.“ Mit diesem vielversprechenden Satz beginnt Michael Krügers neuer Roman „Das Irrenhaus“. Das kann nicht gut gehen – ahnt der Leser, auch angesichts des Buchtitels. Und tatsächlich gerät der ehemalige Archivar und infolge einer Erbschaft wohlhabende Neubesitzer eines Münchner Mietshauses in seiner Situation als unerkannter Mitbewohner im eigenen Haus in eine mehr als unkomfortable, ärgerliche Situation: Überaus eigenartige und aufdringliche Hausbewohner setzen dem Ruhebedürftigen auf unterschiedlichste Weise zu. Zudem erhält der verschollene ehemalige Bewohner seiner Wohnung, ein Schriftsteller, weiterhin sonderbare Post, deren vereinnahmender Wirkung sich der neugierige Protagonist nicht entziehen kann: Mehr und mehr schlüpft er in dessen Rolle und gerät dadurch ins Visier einer verwirrten Frau, die ihn (bzw. den tatsächlichen Autor) beschuldigt, ein Plagiator zu sein. Diese zunächst eher abstrakte Bedrohung seiner gesicherten Existenz wird schließlich konkret und zwingt ihn, der das passive Beobachten und Erleiden gewohnt ist, zum Handeln…


Michael Krüger erzählt diese Außenseiter-Geschichte, die reich ist an grotesken Gesprächsszenarien und genauen Beobachtungen menschlicher Schwächen und Eigenheiten, hinreißend komisch und unterhaltsam. Ein Fest für Liebhaberinnen und Liebhaber geistreicher und satirisch grundierter Erzählungen aus dem Kulturbetrieb.

Katharina Blencke-Dörr
 

Haymon Verlag, 19,90 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-7099-7252-6

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10.10.2016

Thommie Bayer

Seltene Affären

Eigentlich hat sich Peter Vorden in seinem Leben gut eingerichtet: Von Montag bis Donnerstag arbeitet er als relativ wenig beanspruchter Geschäftsführer in einem edlen Restaurant in Lothringen, und von Freitag bis Sonntag lebt er allein in seiner bequemen Wohnung in Südbaden. Seine materielle Existenz ist auf Dauer gesichert. Und dass sein Zwillingsbruder Paul, ein Romanschriftsteller, aus Zeitnot ab und zu eine Kurzgeschichte bei ihm „in Auftrag gibt“, die dann unter Pauls Namen veröffentlicht wird, ist für ihn eher Lust als Last. Sein Liebesleben besteht aus unverbindlichen Affären, womit er ganz und gar nicht unzufrieden ist.
Wenn nur nicht Anne, die Liebe seines Lebens, ausgerechnet mit Paul verheiratet wäre! Eigentlich hat sich Peter im Laufe vieler Jahre mit dieser besonderen Tragik abgefunden – zumal er die beiden wichtigsten Menschen in seinem Leben auf keinen Fall kränken oder sogar  verlieren möchte.


Dass es natürlich trotzdem beinahe zwangsläufig zu einer Klärung dieser problematischen Liebesverhältnisse kommen muss, erzählt Thommie Bayer auf seine unnachahmlich spannende, berührende, mitreißende und unterhaltsame Weise in diesem Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte.


(Katharina Blencke-Dörr)

 

Piper Verlag, 18,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-492-05611-3

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25.07.2016

Michael Schneider

Ein zweites Leben

Fabian Fohrbeck, Anfang sechzig und Professor der Kulturwissenschaften, gerät einige Monate nach dem plötzlichen Tod seiner Frau in eine tiefe seelische Krise und entschließt sich, Hilfe und Erholung in einer psychosomatischen Klinik zu suchen. Tatsächlich gibt er sich mit zunehmender Begeisterung alternativen Behandlungsmethoden hin (Klangschalen-Therapie usw.), bearbeitet mit einer einfühlsamen Psychologin seine seelischen (Un-)Tiefen und pflegt einen kameradschaftlichen Umgang mit seinen sehr unterschiedlichen Mitpatienten. Als dann noch mit der Tanztherapeutin und Sängerin Lea eine neue Frau in sein Leben tritt, mit der er nicht nur seine musikalischen Vorlieben teilen kann, scheint sich tatsächlich ein „zweites Leben“ nach seiner symbiotischen Ehe mit Dorothea zu ergeben.


Aber die anfängliche Verliebtheit weicht bald einem Auf und Ab der Gefühle, zumal auch Lea gravierende Erfahrungen verarbeiten muss. Und beruflich scheint Fohrbeck angesichts der an seiner Universität immer stärker spürbaren Sparzwänge, die seine sicher geglaubte Anstellung gefährden, nach seiner Rückkehr in den universitären Alltag nicht so ohne weiteres die gewohnten Wege weiter gehen zu können.


Doch dann gelingt es ihm, seine eigenen frustrierenden Erfahrungen mit einem „optimierten“ Bildungswesen und die Berichte seiner Bekannten aus der Klinik über  Arbeitsüberlastung, Leistungsdruck und die überall spürbare Beschleunigung  in produktive Bahnen zu lenken: Mit gleichgesinnten Mitstreitern unter seinen Kollegen initiiert er eine Veranstaltung  zum Thema „Zeit in der modernen Gesellschaft“.


Michael Schneider, der viele Erfahrungen und Lebensstationen mit seinem Protagonisten teilt, hat mit dieser „Professorengeschichte“ weit mehr als eine unterhaltsame Lebens- und Liebesgeschichte geschrieben. Durch eine Vielzahl von Gesprächen und Reflexionen zu politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Tendenzen der vergangenen Jahrzehnte ergibt sich ein sehr persönliches, zugleich aber auch generationentypisches Panorama.

 

Katharina Blencke-Dörr

 

Kiepenheuer & Witsch, 24,99 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-462-04886-5

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17.05.2016

Anna Katharina Hahn

Das Kleid meiner Mutter

Dass am Anfang ihrer Arbeit an diesem dritten Roman ein Traum stand, wird im Verlauf der Geschichte immer wieder spürbar: Anna Katharina Hahn, eine der wichtigsten Erzählerinnen ihrer Generation, schreibt eine sehr reale Geschichte, die auf eine besondere Weise immer wieder märchenhafte, surreale Züge annimmt.


Der ganz reale Hintergrund der Geschichte um die junge Spanierin Ana María, genannt Anita, ist die bedrückende Situation Spaniens auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2012: Wie auch ihre Freunde findet Anita trotz guter Ausbildung keine Anstellung und ist deshalb gezwungen, wieder bei ihren Eltern und von deren Geld zu leben. Ihr Bruder hat sich dieser bedrückenden Lebensweise schon durch seine Auswanderung nach Deutschland entzogen, wo er allerdings nicht in der erhofften akademischen Anstellung landet, sondern auf dem Bau…
Halt gewinnt Anita durch ihren funktionierenden, lebhaften Freundeskreis, der sich den engagierten Protesten auf den Straßen Madrids anschließt und der Tristesse die Lust entgegensetzt, auch unter eingeschränkten Bedingungen ausgelassen zu feiern.
Ein gänzlich unerwartetes Ereignis erzeugt dann eine abrupte Wendung in Anitas Leben: Ihre Eltern liegen eines Tages unerklärlicherweise tot in ihren Betten, und Anita muss sich nicht nur mit diesem enormen Verlust, sondern auch mit der Sorge auseinandersetzen, auf welcher materiellen Basis sie weiterleben soll ohne die Renteneinkünfte der Eltern. Erstaunlicherweise entdeckt sie ihre Fähigkeit, sich im Kleid ihrer Mutter quasi in diese zu verwandeln. Diese Verkleidungsmetamorphose bewirkt letztlich, dass sie das Leben ihrer Eltern mit anderen Augen zu sehen beginnt und nach und nach ein zweites, geheimnisvolles Leben hinter deren Alltagsexistenz entdeckt…


Und als LeserIn folgt man der jungen Anita staunend auf dieser detektivischen, poetischen, einsichtsreichen Reise, an deren Ende sie erst richtig erwachsen sein wird: Aus Anita ist Ana María geworden.

 

Suhrkamp Verlag, 21,95 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-518-42516-9

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